Wächtersbach. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Industrieländer, in dem in ländlichen Gebieten nur langsame Internetzugänge zur Verfügung stehen. So auch in einigen Stadtteilen von Wächtersbach. Junge Familien machen ihre Entscheidung, ob sie in ländlichen Regionen ein Haus kaufen bzw. bauen möchten, mittlerweile in erster Linie davon abhängig, ob ein schneller Internetzugang vor Ort zur Verfügung steht. Die Reform des Telekommunikationsgesetzes sollte hier Abhilfe schaffen. Die CDU-FDP-geführte Bundesregierung wollte die Unternehmen zur Bereitstellung der schnellen Anschlüsse im ganzen Land verpflichten. Jedoch hat die FDP „in letzter Minute“ diese Passage im Gesetzestext streichen lassen. Man möchte den Internetausbau den freien Marktkräften überlassen. Was dies bedeutet, wissen viele Menschen auf dem Lande schon heute. Die Metropolen, in denen es mit verhältnismäßig einfachen Mitteln möglich ist, viele Anschlüsse herzustellen und schnelles Geld zu verdienen, sind schon seit Jahren ausgestattet. Die so genannten freien Marktkräfte interessiert die Unterversorgung auf dem Lande nicht, weil dort zu wenig Geld zu verdienen ist.
„Ich halte dieses Verhalten für geradezu unverantwortlich im Hinblick auf eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur“, so Erster Stadtrat Weiher. Denn diese Entscheidung hat zur Folge, dass die negative demografische Entwicklung auf dem Lande beschleunigt wird und dass es wieder einmal der Kommunalpolitik vor Ort überlassen ist, in Zeiten verschuldeter Haushalte den Menschen eine zeitgerechte Daseinsvorsorge vorzuhalten.
„Gewinne werden privatisiert, alles andere wird auf dem Rücken des Steuerzahlers ausgetragen. Es ist aber auch festzuhalten, dass das Jammern derzeit nichts nützt, denn die Zeit läuft davon. Von daher ist es besonders lobenswert, dass der Main-Kinzig-Kreis nun mit der Gründung einer eigenen GmbH eine Initiative startet, das Netzwerk für den Main-Kinzig-Kreis in Eigenregie aufzubauen“, so Weiher abschließend.